Kommunale Entwicklungspolitik

im Landkreis Traunstein

Seit 2018 engagiert sich der Landkreis Traunstein aktiv in der kommunalen Entwicklungspolitik. Im Rahmen dieses Engagements unterstützt der Landkreis mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung lokale Projekte, die globale Herausforderungen wie Klimawandel oder Fluchtursachen adressieren und damit über die Region hinaus Wirkung entfalten. Als Landkreis können wir dort handeln, wo direkte kommunale Expertise gefragt ist – auf Augenhöhe mit Partnerkommunen.

Der Landkreis pflegt gute partnerschaftliche Beziehungen zu drei libanesischen Kommunen. Auch wenn derzeit keine neuen Projekte aktiv umgesetzt werden, stehen wir weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung und stehen Impulsen von Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen oder Institutionen, die sich informieren oder einbringen möchten offen gegenüber.

So verbindet der Landkreis Traunstein globale Verantwortung mit lokalem Handeln – sachlich, nachvollziehbar und direkt spürbar vor Ort.

Unsere Partnerkommunen

Der Libanon wird aus der Hauptstadt Beirut gesteuert und regiert und hat rund 5,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner auf einer Fläche von etwa einem Siebtel der Fläche Bayerns. Das Land ist Heimat von 18 anerkannten Religionsgemeinschaften und grenzt an Syrien und Israel. Im Süden und Südosten der Hauptstadt Beirut liegen die Partnerkommunen des Landkreises Traunstein: das christliche Dorf Qrayeh mit rund 5.000 Einwohnern sowie die größeren Gemeindeunionen Al Bohaira und Jabal El Sheikh mit jeweils 30.000 bis 40.000 Einwohnern.

El Qrayeh

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Union Al Bohaira

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Union Jabal El Sheikh

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Unsere Schwerpunkte

Die Zusammenarbeit mit unseren drei libanesischen Partnerkommunen – der Gemeinde Qrayeh, der Union Jabal El Sheikh und der Union Al Bohaira – war von Anfang an als echte Partnerschaft angelegt. Gemeinsame Themen, gegenseitiges Lernen und konkrete Lösungen standen im Vordergrund – in den Bereichen Verwaltung, Energieversorgung, Infrastruktur und berufliche Weiterbildung. Alle Maßnahmen wurden vollständig im Rahmen des genehmigten Förderbudgets umgesetzt.

  • Know-how Austausch: COVID-19 stellte Kommunalverwaltungen und medizinisches Fachpersonal weltweit vor dieselben Herausforderungen – und machte deutlich, wie viel man voneinander lernen kann, wenn man offen dafür ist. Im engen Austausch mit allen drei Partnerkommunen teilten wir Erfahrungen zu Verwaltungsabläufen, medizinischer Versorgung und Katastrophenschutz. Auf Einladung von Engagement Global richtete der Landkreis Traunstein 2024 eine Pilotfachveranstaltung zum Thema kommunale Daseinsvorsorge aus. Acht kommunale Vertreterinnen und Vertreter aus dem Nahen Osten und acht aus Deutschland diskutierten gemeinsam Fragen der Wasserver- und -entsorgung, der Abfallwirtschaft und des Recyclings sowie der öffentlichen Sicherheit. Dass der Landkreis Traunstein Gastgeber dieses Formats sein durfte, war kein Zufall, sondern Ausdruck der Anerkennung, die wir uns durch Jahre verlässlicher und erfolgreicher Zusammenarbeit mit unseren libanesischen Partnerkommunen erarbeitet hatten. Als geschätzter Partner in der internationalen kommunalen Zusammenarbeit war der Landkreis Traunstein zu diesem Zeitpunkt längst mehr als ein Teilnehmer.
  • Verwaltung: Wie viele Kommunen weltweit arbeitete die Gemeindeverwaltung Qrayeh lange unter beengten Verhältnissen – in zwei angemieteten Räumen beim örtlichen Sportverein. Der gemeinsam geplante Bau eines Gemeinde- und Schulungszentrums schuf nicht nur neue Arbeitsbedingungen, sondern auch einen dauerhaften Ort für öffentliches Leben und Weiterbildung in der Gemeinde. Ein Projekt, das aus dem konkreten Bedarf der Gemeinde heraus entstand und von ihr getragen wird.
  • Energieversorgung: Die Abhängigkeit von Dieselgeneratoren ist in vielen Teilen der Welt Realität – auch in Kommunen, die längst andere Wege gehen wollen. Die technische Synchronisierung zweier gemeindeeigener Generatoren der Union Jabal El Sheikh war eine pragmatische Antwort auf ein konkretes Problem: weniger Verbrauch fossiler Energieträger und mehr Effizienz in der Energienutzung.
  • Infrastruktur: Zuverlässige Infrastruktur ist keine Selbstverständlichkeit, das wissen Kommunen im Libanon und anderswo. Die Kläranlage und die Müllsortieranlage der Union Al Bohaira konnten aufgrund eines instabilen Stromnetzes und gestiegener Energiekosten nicht mehr wie vorgesehen betrieben werden. Die gemeinsam geplante und umgesetzte Photovoltaiklösung auf beiden Anlagen machte den Betrieb unabhängiger und langfristig tragfähiger.
  • Weiterbildung: In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit wurden 50 Personen, mehrheitlich Frauen, in Installation und Wartung von Photovoltaikanlagen in der Union Al Bohaira ausgebildet. Die Initiative ging von der Gemeindeunion selbst aus: Lokales Wissen und lokale Kapazitäten sollten den Bestand der Anlage sichern und gleichzeitig neue Beschäftigungsmöglichkeiten erschließen.Im Bereich berufliche Bildung arbeiteten wir mit Qrayeh an zwei Themen, die dort wie hier an Bedeutung gewinnen: KfZ-Mechatroniker wurden im Umgang mit modernen Diagnosegeräten geschult. In Zusammenarbeit mit dem Campus Chiemgau wurden zudem Grundlagen des E-Commerce erarbeitet.

Ansprechpartner für Sie

Über den Koordinator

Seit Juli 2021 bin ich für die „Koordination kommunaler Entwicklungspolitik“ im Landkreis Traunstein verantwortlich, habe diese koordiniert und nach außen vertreten – in unserer Region, gegenüber Partnerkommunen im Libanon sowie auf nationaler und internationaler Ebene. Meine Arbeit umfasste die Steuerung komplexer Investitionsprojekte mit kommunalen und staatlichen Partnern auf verschiedenen Ebenen ebenso wie den fachlichen Austausch in Formaten, die weit über den Landkreis hinausreichten: als Teil von verschiedenen Delegationsreisen und als Referent bei der Middle East Networking Conference 2022 in Amman (Jordanien) sowie bei der Bundeskonferenz für kommunale Entwicklungspolitik 2024.

Parallel dazu lag mir die Bildungsarbeit vor Ort am Herzen: In Schulen und mit den Auszubildenden des Landratsamtes habe ich Workshops zu Nord-Süd-Partnerschaften und zur Agenda 2030 durchgeführt. Dieses inhaltliche und förderrechtliche Erfahrungswissen steht weiterhin zur Verfügung – für Fachgespräche, Veranstaltungen oder den Einstieg in eigene Projekte.

Deutsche Kommunen können im Rahmen des Förderinstruments „Koordination kommunaler Entwicklungspolitik“ eine Förderung für Personalressourcen für den Tätigkeitsbereich kommunale Entwicklungspolitik mit Projektstart ab dem Jahr 2026 beantragen. Dieses Unterstützungsangebot wird von Engagement Global mit ihrer Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) im Auftrag und mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung durchgeführt.

 

  • Sie haben Interesse an unserer SDG-Ausstellung, suchen fachlichen Rat zur kommunalen Entwicklungspolitik oder möchten von unseren Erfahrungen profitieren? Sprechen Sie mich an.

 

Kontakt

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Paul Marschner

T: 0861 988231-77

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