Seit 50 Jahren: Harfen aus Traunstein für die ganze Welt

Wer die Werkstatt betritt, riecht Holz, sieht halbfertige Instrumente und spürt schnell, dass hier etwas Besonderes entsteht. Seit mittlerweile 50 Jahren werden in der Harfenwerkstatt der Familie Fischer Harfen gebaut – Instrumente, die heute nicht nur im Chiemgau, sondern auf der ganzen Welt gespielt werden. 

Der Ursprung des Harfenbaus reicht zurück ins Jahr 1976. Damals stellte sich Karl Fischer sen. (1912–2007), Mitinhaber des Musikhauses Fackler, eine einfache Frage: Warum gibt es keinen Harfenhersteller, der Instrumente in der Qualität und Stückzahl anbietet, die er sich vorstellt? Statt sich mit dem bestehenden Angebot zufriedenzugeben, entschloss sich der gelernte Wasserbauingenieur, selbst aktiv zu werden.

Ein ungewöhnlicher Schritt, denn Fischer war damals bereits 64 Jahre alt. Während andere an den Ruhestand dachten, begann er ein völlig neues Kapitel. Bei einem Harfenbauer in Bergen eignete er sich das nötige Wissen an und entwickelte anschließend eigene Modelle. Sein technisches Verständnis, seine Liebe zum Handwerk und sein ausgeprägter Tüftlergeist bildeten die Grundlage für eine Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert.

Sieben verschiedene Harfenmodelle
Heute führt Verena Rehrl, Enkelin des Harfenbau-Pioniers und Tochter von Raimund Fischer, das Musikhaus Fackler in fünfter Generation. Die Harfenwerkstatt leitet ihr Cousin Thomas Fischer. Obwohl der Harfenbau kein eigener Ausbildungsberuf ist, wird das über Jahrzehnte aufgebaute Wissen in der Familie weitergegeben und kontinuierlich verfeinert.

Im Laufe der Jahre entstanden sieben verschiedene Harfenmodelle. Besonders innovativ war die Entwicklung einer Schulharfe für Kinder zwischen fünf und zehn Jahren. Sie ermöglichte jungen Musikschülern erstmals einen leichteren Einstieg in das Harfenspiel und ist bis heute fester Bestandteil des Sortiments. Anstoß war der Wunsch der heutigen Geschäftsführerin, Harfe zu lernen. Mit ihren sechs Jahren erreichte sie nicht alle Saiten. Nach vier Jahren beendete sie das Harfenspiel und wandte sich anderen Instrumenten zu. Die Werkstatt ihres Großvaters entwickelte sich indes kontinuierlich weiter. Heute umfasst das Angebot irische Harfen, Schulharfen und verschiedene Modelle von Volks- und Pedalharfen. Kunden können zwischen unterschiedlichen Korpusformen, Klangcharakteren und Ausstattungen wählen - und häufig ihr Instrument direkt mit nach Hause nehmen, denn die gängigsten Modelle sind im Musikhaus Fackler auf Lager. Die Werkstatt mit drei Mitarbeitern macht es möglich. “Ich glaube, das ist auch Teil unseres Erfolges”, vermutet die xx-Jährige. 

Fischer-Harfen auf allen Kontinenten
Was als Vision eines einzelnen Handwerkers begann, hat sich längst international etabliert. Fischer-Harfen stehen heute in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden ebenso wie in den USA, Südafrika, Indien oder Singapur. Der gute Ruf der Instrumente hat sich weit über die Grenzen des Chiemgaus hinaus verbreitet.

Trotz moderner Technik und der allgegenwärtigen Bedrohung durch KI bleibt der Harfenbau vor allem Handarbeit, sagt Verena Rehrl: “Maschinen können einzelne Bauteile fertigen, doch die klangliche Feinabstimmung, die Regulierung der Mechanik und die Qualitätskontrolle erfordern nach wie vor Erfahrung, Fingerspitzengefühl und handwerkliches Können.” Genau darin sieht die Familie Fischer auch die Zukunft ihres Handwerks. 

Das Jubiläumsjahr bietet Gelegenheit, auf fünf Jahrzehnte Harfenbau zurückzublicken. Was Karl Fischer sen. vor 50 Jahren mit Neugier und Mut begann, prägt bis heute das Profil des Unternehmens. Aus einer Idee wurde eine Werkstatt, aus einer Werkstatt eine Marke – und aus regionalem Handwerk eine Erfolgsgeschichte, deren Klang buchstäblich auf der ganzen Welt zu hören ist.  

2025 feierte das Musikhaus Fackler sein 150jähriges Bestehen, heuer 50 Jahre Harfenbau. Die Chiemgau GmbH gratuliert!